Beste Freundin gesucht ‒ Wie das Internet mir zu einer neuen Freundschaft verhalf

Zwei Schatten an der Brühlsche Terrassen Dresden

Beste Freundin gesucht ‒ und gefunden. Auf die Minute genau ein Jahr ist es her, als ich A. das erste Mal begrüßte und wir uns persönlich kennengelernt haben. Das möchte ich mir zum Anlass nehmen, um euch unsere Geschichte zu erzählen, ihr Danke zu sagen und euch Mut für neue Freundschaften zu schenken.

Die Sache mit den verzwickten Freundschaften unter Frauen

Freundschaften zu Mädchen und Frauen fallen mir schwer. Irgendwie hab ich mich schon immer besser mit Jungs und Männern verstanden. Ich kenne auch kaum ‒ vor allem kaum junge ‒ Frauenfreundschaften, die sonderlich stabil sind. So kam es mir im Nachhinein betrachtet fast unvermeidlich vor, dass meine letzte enge Mädels-Freundschaft mit vielen Tränen und vor allem Fragen in die Brüche ging.

Lange trauerte ich ihr hinterher, war wütend und enttäuscht. Von ihr und von mir. So vieles wäre vermeidbar gewesen, so vieles hätte man doch klären können. Doch das haben wir nicht. Es funktionierte nicht. Sie blockte mich ab, ich verstand sie nicht und letztendlich trennten sich unsere Wege.

In dieser Zeit versuchte ich immer wieder Freundschaften einzugehen, vor allem mit Frauen, fehlte mir doch zunehmend „eine beste Freundin“. „Beste“ Freundin klingt immer so abwertend allen anderen gegenüber und nicht selten hat man mehrere über sein ganzes Leben verteilt und nicht nur die Eine. Dennoch wollte ich genau das haben, genau diese eine Person.

Das Internet gab mir neuen Mut

Ende letzten Jahres schrieb ich in einer späten Abendstunde der Verzweiflung mehr aus Jux als aus Ernst die Worte „Beste Freundin gesucht“ in die Suchleiste meines Browsers. Ich dachte mir, wenn Onlinedating funktioniert, dann auch das.

Ich behielt Recht. Als ich das erste Suchergebnis unter den Anzeigen las, konnte ich meinen Augen nicht trauen: Ich stieß tatsächlich auf eine Seite mit exakt dem Titel „Beste Freundin gesucht„. Ich strahlte, melde mich sofort an und durchforstete die Profiltexte.

Anonym und dennoch so liebevoll ‒ Beste Freundin gesucht

Anders als bei Datingseiten ‒ zumindest die, die ich noch aus meinen ersten Online-Dating-Versuchen kenne ‒ war hier alles viel anonymer und liebevoller gestaltet. Die meisten Nutzerinnen laden kein Bild hoch bzw. verwenden (wie ich damals auch) einen der Avatare, welche in Handarbeit von der Gründerin Marie-Luise Hagdorn gezeichnet wurden.

Links: Diesen Avatar hatte ich damals gewählt. Marie-Luise Hagdorn von Beste Freundin gesucht zeichnet die Avatare und viele andere Bilder, z.B. für ihre Facebook-Posts selbst und ich finde man spürt ihre Liebe darin. | Rechts: So kann eine Umkreissuche aussehen. Durch einen Klick lassen sich die Profiltexte einsehen. | Quelle: beste-freundin-gesucht.de

Frau trägt nur wenige Daten ein:

  • eine Postleitzahl für die Umkreissuche
  • das Geburtsdatum
  • Lieblings-Bücher
  • Lieblings-Filme / -Serien
  • Lieblings-Reiseziele
  • Lieblings-Musik
  • Lieblings-Plätze / -Orte

Den restlichen Platz füllt man mit einem beliebig langen oder kurzen Text aus. Ich hab darin versucht, so viel Persönlichkeit von mir einfließen zu lassen wie nur möglich. Denn das ist der Text, der für eine andere Nutzerin Anreiz genug sein soll, dich anzuschreiben. Wer mag kann auch z.B. nach reinen Sport-Partnerinnen suchen, für die man einer eigenen Gruppe beitreten und so schneller eine potenzielle Person finden kann.

Das Profil von A. war eines meiner ersten

So las ich stundenlang Profiltexte durch und schrieb einige Mädels auch an. Die Resonanz war wie erwartet sehr unterschiedlich bis nicht vorhanden. Ein Profil ‒ ich nenne sie mal A. ‒ fiel mir besonders ins Auge. Es war eines der wenigen in meiner Umkreissuche, dessen Text ziemlich lang war und (das ist mir nun mal wichtig) ohne Rechtschreib- oder Grammatik-Fehler. Also fasste ich mir ein Herz und schrieb sie am 4. Dezember an.

Als die Antwort kam war ich sofort Feuer und Flamme. Wir schrieben uns sehr lange Texte, da wir beide großes Interesse an der jeweils anderen hatten. Sie hatte ähnliche Werte und Interessen, war aber auch so anders, dass es sehr spannend war sie kennenzulernen.

Vom Online-Kontakt zur ersten echten Begegnung

Wir wollten mehr voneinander erfahren und auch ein echtes Treffen miteinander verabreden. Das klappte nicht sofort, daher wählten wir zwei Tage nach dem ersten Kontakt den Zwischenweg über Facebook und „stalkten“ (wie wir es liebevoll nannten) gegenseitig unsere bilderreichen Profile. Wir wollten einfach sichergehen, dass die Person hinter den Texten wirklich existierte.

Am 12. Dezember ‒ also bereits eine Woche nach meiner ersten Nachricht an sie ‒ verabredeten wir uns spontan zu einem Treffen auf dem Weihnachtsmarkt. Ich wartete am Bahnhof auf ihren Zug. Ich begrüßte erstmal das falsche Mädchen, weil sie so zielgerichtet auf mich zulief. Sie wollte aber nur nach dem Weg fragen. Dann kam der richtige Zug an. Mein Herz raste.

Sie war viel hübscher als auf ihren Bildern bei Facebook und ihr Lächeln versüßte mir sofort den Tag. Wir spazierten also gemütlich zu einem der vielen Glühweinstände und redeten. Wir waren beide wahnsinnig aufgeregt, was wir der jeweils anderen lustigerweise überhaupt nicht angemerkt und uns erst später erzählt haben.

Unsere Freundschaft besteht mittlerweile genau ein Jahr und wächst immer weiter

Dieser Tag ist heute genau ein Jahr her und ich bin sehr froh darüber, A. in meinem Leben zu haben. Wir schreiben uns nicht täglich oder gehen jedes Wochenende aus. Wir streiten uns auch mal. Aber wir vertragen uns immer wieder schnell, weil wir Dinge gern klären. Wir sind immer füreinander da wenn es darauf ankommt.

Brunch auf dem Wohnzimmertisch

Der erste gemeinsame Brunch mit A. und anderen Freunden in meinem Wohnzimmer.

Und unsere Freundschaft wird nicht schmäler, nur weil wir nicht ständig Kontakt haben. Im Gegenteil: Meine Freundschaften, die schon sehr lange bestehen, sind fast ausschließlich die, bei denen eher sporadischer Kontakt besteht.

Liebe Graffiti auf den Stufen zur Brühlschen Terrasse Dresden

Bei einem gemeinsamen Spaziergang entdeckten wir diesen Schriftzug auf den Stufen zur Brühlschen Terrasse Dresden. Freundschaft ist auch eine Form von Liebe.

Gebt euch einen Ruck und probiert diese unkonventionelle Suche zumindest mal aus.

Der Gründerin von Beste Freundin gesucht, Marie-Luise Hagdorn, möchte ich erneut meinen Dank aussprechen für die wunderbare Plattform, die sie mir und so vielen anderen Mädchen und Frauen zur zur Verfügung stellt. Ohne ihre Arbeit hätten A. und ich vielleicht nie zueinander gefunden. Danke!

P.S.: Die Freundin, die ich euch am Anfang meines Beitrags vorgestellt habe, zu der die Freundschaft leider zerbrach, hat wieder ihren Weg in mein Leben gefunden. Gebt also nicht die Hoffnung auf und lasst euch nicht entmutigen. Freundschaft findet man oft dort, wo man sie nicht erwartet.

Über den Autor

Kim-Alexandra Nagy ist Gründerin dieses Blogs und Mediengestalterin mit Leib und Seele.

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Ein Gedanke zu „Beste Freundin gesucht ‒ Wie das Internet mir zu einer neuen Freundschaft verhalf

  1. Liebe Kim-Alexandra,
    danke für deinen tollen, tollen Blogbeitrag. Es ist wahnsinnig schön zu hören, wenn die Freundinnen-Suche über mein Projekt erfolgreich war, was ja auch Zeit, Geduld und ein wenig Glück erfordert. Für „Beste Freundin gesucht“ ist dein begeisterter Blogbeitrag das beste Feedback, das ich mir wünschen kann. Alles Liebe für dich und deine neuen (wie auch alten) Freundschaften <3
    Marie

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