Bordeaux meets Germany ‒ Meine erste Weinverkostung

Fünf ausgewähöte Weine aus Bordeaux für Weinverkostung

Vor zwei Wochen nahm ich an meiner ersten Weinverkostung teil, zu der Sopexa, eine internationale Kommunikations- und Marketing-Agentur, mich einlud.

Winzer aus Bordeaux bei einer deutschen Weinverkostung

15 Winzer aus Bordeaux öffneten ihre Weine für eine Weinverkostung im Restaurant Kastenmeiers.

Die Fachverkostung Bordeaux meets Germany fand am 7. Februar 2017 im Fischrestaurant Kastenmeiers statt. Fünf Stunden lang versammelten sich Sommeliers und andere Weinkenner, um 15 Winzer aus Bordeaux und ihre Weine unter die Lupe zu nehmen. Unter den geladenen Gästen fanden sich nur wenige Neulinge ‒ eigentlich glaube ich, dass ich die einzige war, die keine Ahnung von Weinen und Tastings hatte.
Stephanie Cruzado und Lydia Coudert

Mit den Weinen von Stephanie Cruzado und Lydia Coudert startete ich in meine erste Weinverkostung. Foto von Pedro Venus

Umso schöner ist es, dass mich alle Winzer sehr freundlich empfingen und mir bereitwillig Tipps zur Weinverkostung gaben und mir Hintergrundwissen zum Weinanbau vermittelten. Meine beiden ersten Gespräche durfte ich mit Lydia Coudert vom Château Castagnac und Stephanie Cruzado vom Château Vieux Mougnac, die mir die Grundlagen des Degustierens nahegebracht haben. Thank you for teaching me how to taste wine! Besonders im Gedächtnis geblieben sind mir außerdem zwei Herren: Arnaud Burliga von Vignobles Burliga, weil er mir viel über Weinanbau erzählt hat und er über 40 Bonsais liebevoll pflegt. Und Jörg Polster von LFE – La Française d’Exportation, der auf Geschäftskunden spezialisiert ist und dessen Rosé mir sehr zugesagt hat.

Meet Bordeaux

Als Nicht-Weinkenner musste ich erstmal dahinter kommen, was denn eigentlich so besonders an Weinen aus Bordeaux ist, dass sie sich auf einer eigens dafür organisierten Weinverkostung tummeln. Bordeaux ist ein Weinbaugebiet im Südwesten Frankreichs. Schutzsiegel, sogenannte Appellationen, schreiben strikt vor, wo und wie genau Weine angebaut werden müssen, damit sie sich Bordeaux oder gar Bordeaux Superior nennen dürfen. Eine Eigenheit der Weine aus Bordeaux ist das Blending. Dabei werden verschiedene Rebsorten zu einem Wein gemischt, den man auch Cuvée nennt. Dadurch möchte man die jeweiligen positiven Eigenschaften der einzelnen Sorten zu einem runden Ergebnis verbinden. In Deutschland scheint Blending nicht sehr beliebt zu sein. Manche bezeichnen diese Technik auch herabwertend als „Gepansche“. Ich hab zwar keinen geschulten Gaumen, aber mir hat keiner der Weine aus Bordeaux so wenig zugesagt, dass ich dem Blending etwas Negatives nachsagen könnte.

Von den Profis lernen

Weinverkostung mit Profis

Dirk Würtz und Hendrik Thoma präsentierten und verkosteten fünf ausgewählte Weine aus Bordeaux.

Master Sommelier Hendrik Thoma sowie Wein-Blogger Dirk Würtz warteten gegen Abend mit einer gemeinsamen Weinverkostung auf. Dabei wurden 5 ausgewählte Weine von den entsprechenden WinzerInnen vorgestellt und von den beiden Weinkennern degustiert, d.h. verkostet und nach Aussehen, Geruch und Geschmack beschrieben. „Bewertet“ wäre an dieser Stelle wohl das falsche Wort, weil jeder Wein ‒ nicht nur jede Sorte, sondern eigentlich jede Flasche ‒ einzigartig ist und von jedem Gaumen anders beurteilt wird. Wie jeder Gast bekam ich auch einen Schluck eingeschenkt, an dem ich hautnah die Hinweise der Profis nachempfinden und meinen eigenen Gaumen austesten konnte.

Degustieren für Anfänger

Zwei Kenner degustieren Rotwein

Professionelles Degustieren erfordert Übung und Erfahrung, was Gerüche und Geschmackssinn anbelangt.

Natürlich möchte ich euch meine gesammelten Erkenntnisse nicht vorenthalten. Also versuche ich mich daran, euch den facettenreichen Vorgang der Weinverkostung kurz zusammen zu fassen. Eine sehr detaillierte und anschauliche Erklärung stellt euch Hendrik Thoma in einem seiner YouTube-Videos zur Verfügung.

Wichtige Hinweise vorab:

  • Man beginnt mit Weißweinen und tastet sich dann über die Roséweine zu den Rotweinen. So werden die Geschmacksnerven anfangs nicht so sehr belastet und sind länger empfänglich für die feinen Nuancen.
  • Zwischen den Weinen sollte man nicht mit Weißbrot und Wasser geizen. Nur so bleibt man nüchtern und neutralisiert seinen Geschmack.
  • Das Ausspülen des Glases mit klarem Wasser verhindert das unerwünschte Vermischen von Weinen.
  • Ausspucken erlaubt und empfohlen! Bei einer Weinverkostung testet man durchaus eine zweistellige Zahl von Weinen. Es ist daher Gang und Gäbe den kleinen Schluck Wein nach dem Schmecken in eigens dafür aufgestellte Behälter zu spucken.
  • Auch Reste im Glas werden einfach in die Behälter gekippt. Das kommt einem anfangs wie Verschwendung vor, aber dafür schaut einen niemand schief an.
  • Das Glas sollte am Stiel gehalten werden, damit der Wein sich nicht durch die Hand erwärmt und keine Fingerabdrücke die Optik stören.
saubere Weingläser

Saubere Gläser sind nicht nur schön, sondern auch wichtig, um einen ungetrübten Eindruck eines Weines zu bekommen.

1. Ansehen (ohne Schwenken)

Die Farbe des Weines betrachtet man am besten vor einer weißen Serviette. Dadurch kann man die Farbintensivität besser erkennen. Auf das berühmte Schwenken wird vorerst absichtlich verzichtet, weil der Wein still einen anderen Geruch abgibt als nach seiner Bewegung.

2. Ansehen und Schwenken

Jetzt darf geschwenkt werden. Sachte und mit stetigem Blick auf den Wein. Kenner achten dabei unter anderem auf die Fließgeschwindigkeit und sogenannte Tränen oder Kirchenfenster, die im Glas langsamer nach unten fließen, je höher der Alkoholgehalt ist.

3. Riechen

Durch das Schwenken wurde dem Wein Sauerstoff zugeführt, der es ihm ermöglicht, sein Bouquet, also sein Geruchssprektrum, voll zu entfalten. Unser Geruchssinn ist sehr von den individuellen Erinnerungen des jeweiligen Testers abhängig. Manch einer hat sich in seinem Leben oft im Wald oder am Strand aufgehalten, der andere hat viele Städte und Kulturen gesehen bzw. gerochen. Auch unsere Essgewohnheiten tragen ihren Teil zum Geruchsempfinden bei. So haben z.B. KöchInnen meist ausgeprägtere Geschmacksempfindungen als kochfaule Fast-Food-Freunde.

4. Schmecken (mit oder ohne Schlürfen)

Der Schritt, auf den ihr wohl alle gewartet habt: das Schmecken. Auch hier kommt es wieder auf die Details an und der gute Tropfen sollte nicht einfach nur die Kehle runtergeschüttet werden. Ob man den Wein schlürft oder nicht, da scheiden sich anscheinend die Geister. Ich habs probiert und fand es gar nicht so schwer. Die so zugeführte Luft soll dem Wein auch im Mund nochmal ermöglichen, seinen Geschmack zu intensivieren. Wer mag lässt den Wein in seinem Mund „rollen“ bzw. „kaut“ ihn. Unsere Zunge ist in mehrere Geschmacksbereiche unterteilt, die dadurch alle zum Zuge kommen. Wie beim Geruch empfindet auch den Geschmack jeder Mensch anders, weshalb ein Wein nicht pauschal gut oder schlecht sein kann, sondern seinem Tester mundet oder eben nicht. Mir gefielen vor allem leichte, vollmundige Weine mit wenig Säure ‒ obwohl ich sonst saure Speisen und Getränke mag.

5. Ausspucken

Keine falsche Scham. Das Ausspucken ist völlig normal bei einer Weinverkostung. Nicht jeder kann nach 20 verschiedenen Weinen noch stehen, geschweige denn vernünftig schmecken. Auch ich hab mich bis auf wenige Ausnahmen für das Ausspucken entschieden. Es hat trotzdem gereicht, dass ich mit leichten Kopfschmerzen nach Hause gegangen bin. Also ziert euch nicht und nutzt die eigens dafür bereitgestellten Behälter.

Fünf zu verkostende Weine

Diese fünf Weine wurden an diesem Abend professionell degustiert. Meine Favoriten befanden sich allerdings nicht darunter.

Liste der anwesenden Winzer

Keinesfalls möchte ich euch die Hauptpersonen des Abends ‒ die Winzer ‒ vorenthalten. Dank der ausgehändigten Infoblätter kann ich diese für euch rekapitulieren und ihr könnt euch selbst einen Eindruck der einzelnen Weingüter machen:

Kim von think less und Melli von DeLaVie

Zwei bekannte Gesichter konnte ich dann doch unter den Gästen finden. Melanie von DeLaVie und ihr Freund ‒ beide definitiv mehr Weinkenner als ich ‒ probierten sich auch durch die Weine aus Bordeaux. Foto von Pedro Venus

Zwar trinke ich sehr selten Alkohol, werde mich in Zukunft aber zumindest unter den leichten Weiß- und Roséweinen mal genauer umsehen. Viel Spaß bei eurer nächsten Weinverkostung, ganz gleich ob professionell oder im Kreise lieber Freunde.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. Moin!
    Bin eben auf der Facebookseite von Lydia Coudert, Château Castangnac, über Deinen netten Artikel über die Bordeaux Roadshow gestolpert. Ich hatte die Verkostung auch besucht; allerdings in Hannover und, na ja, als Profi.

    Viele Grüße

    Henning

    • Kim-Alexandra Nagy sagt:

      Danke für deinen Kommentar, Henning.

      Ich hoffe, dass dir als Profi meine Tipps nicht den Magen umgedreht haben und halbwegs sinnvoll waren 😉

      Viele Grüße
      Kim