Europäische Woche der Abfallvermeidung 2016 ‒ 8 Zero-Waste-Tipps

8 Zero Waste Tipps

Kastanienwacshmittel, Citrusschalen-Reinigungsmittel, Menstruationstasse und waschbare Abschminkpads für die europäische Woche der Abfallvermeidung

Schon kleine Umstellungen können Verpackungsmüll sparen und die Umwelt schonen.

Die Tage vom 19. bis 27. November 2016 sind der Europäischen Woche der Abfallvermeidung gewidmet, die seit 2010 jährlich auch in Deutschland stattfindet. Dabei handelt es sich nicht um eine zentrale Veranstaltung, sondern vielmehr um die Summe von Aktionen, die in ganz Deutschland und 33 Ländern Europas durchgeführt werden. Möglichst viele Menschen sollen dadurch dazu angehalten werden, sich mehr Gedanken über Umweltverschmutzung zu machen und ihren eigenen Abfall zu minimieren. Abfallvermeidung ‒ oder geläufiger Zero Waste ‒ ist der zentrale Oberbegriff, unter dem man im Internet bereits unzählige Blogs, Vlogs, Foren und andere Anregungen findet, wie man sein eigenes Leben müllfreier gestalten kann. Viele sind von den extremen Beispielen so abgeschreckt ‒ z.B. von Shia, die ihren Gesamten nicht-kompostierbaren Müll eines ganzen Jahres in ein kleines Marmeladenglas bekommt ‒ dass sie vergessen, dass auch kleine Schritte einen großen Unterschied machen, solange sie nur genügend Menschen umsetzen.

Umdenken ‒ Den Schalter im Kopf muss jeder selbst umlegen

Für mich persönlich geht es bei der ganzen Müllvermeidungs-Thematik vor allem um den Schalter in unseren Köpfen, den wir umlegen müssen. Denn wer sich ein Mal intensiver und aufgeschlossen mit Umweltverschmutzung beschäftigt, der wird von ganz allein ohne große Mühe damit beginnen, seinen Alltag Stück für Stück umweltbewusster zu gestalten. Man denkt einfach ganz anders über viele Dinge, die vorher so selbstverständlich waren. Sei es die Mikroplastik im Lieblings-Duschgel oder die vielen Plastiktüten, in die Wir beim Einkauf unser Obst gelegt haben. Ich selbst kann und will mich (noch?) nicht als Zero Waste Verfechterin betiteln. Dazu gibt es einfach noch zu viele Stellen, die in meinem Alltag definitiv optimiert werden können und müssen. Aber seit einer Weile hinterfrage ich viele Dinge, recherchiere, tausche viel genutzte Lebensmittel und Produkte durch umweltfreundlichere Alternativen aus und habe auch meine Ernährung angepasst. Es fühlt sich mittlerweile schon fast selbstverständlich an, eben nicht alles einfach hinzunehmen und den Weg des geringsten Widerstands zu gehen, sondern bei jedem Konsumgut darüber nachzudenken, wie man dieses in Zukunft ohne Verpackung bekommen oder selbst herstellen könnte. Ein wunderbares Gefühl, auch wenn man dafür noch oft schräge Blicke erntet.

7 einfache Möglichkeiten zur täglichen Müllvermeidung + 1 Bonustipp

Ohne euch weiter eine Moralpredigt zu halten, möchte ich euch ein paar einfache Möglichkeiten aufzeigen, die mein Leben etwas müllfreier gestaltet haben und euch vielleicht eine Anregung sind. Da die Europäische Woche der Abfallvermeidung 8 Tage dauert habe ich euch eine Anregung für jeden Wochentag sowie einen Bonustipp aufgezählt und beschrieben, die ich selbst getestet und als gut befunden habe. Ich hab außerdem versucht, ein paar Zahlen zu überschlagen, die euch aufzeigen sollen, dass man ganz nebenbei auch noch Geld damit sparen kann. Die nachfolgenden Rechnungen und Zahlen habe ich anhand meiner eigenen Erfahrung geschätzt und sie sollen nur der Veranschaulichung dienen und haben keine wissenschaftliche Richtigkeit. Die Reihenfolge ist zufällig entstanden und folgt keinen Kriterien.

1. Wiederverwendbare Abschminkpads

Waschbare Tücher zur Makeup-Entfernung

Waschbare Abschmikpads im Wäschenetz von Imse Vimse

Als ich mich noch täglich geschminkt habe, fielen insgesamt 3 Wattepads am Tag in den Müll. Am Morgen und Abend jeweils eins zum Auftragen des Gesichtswassers und am Abend noch eins zum Entfernen von Augen-Make-up. Zusammen mit einem Wattepad alle 7 Tage zum Entfernen von Nagellack, kam ich so locker auf 22 Pads pro Woche. Das sind 88 im Monat und satte 1056 im Jahr. Mindestens! Benutzt hatte ich meistens die Wattepads von ebelin. Eine Packung kostet 0,85 €, beinhaltet 140 Stück und wird in einem Plastikschlauch verkauft. In einem Jahr benötigte ich also um die 7 1/2 Packungen und bezahlte etwa 6,41 €. Ok, das ist nicht viel für eine Person. Wenn man aber mal überlegt, dass rund 80.000.000 Menschen in Deutschland leben, von denen nicht wenige eben diese Wegwerf-Pads benutzen, dann noch kosmetische Berufe dazukommen, die weit mehr als 7 Packungen im Jahr verbrauchen, etc. … Das ist auf jeden Fall ein riesen Haufen Müll. Daher hab ich mich umgeschaut und bin durch diverse Blogs auf waschbare Abschminkpads aufmerksam geworden. Die bekommt man online oder in verpackungsfreien Läden ‒ in Dresden gibts z.B. den Lose Laden. Meine Pads sind von Imse Vimse, bestehen aus Bio-Baumwoll-Frottee und haben 13,99 € gekostet. Nach der Benutzung spüle ich sie kurz mit warmem Wasser aus und lasse sie trocknen. Sobald sie mir zu schmutzig sind, werfe ich sie einfach im mitgelieferten Wäschenetz in die Waschmaschine. Ich benutze sie nun seit einem halben Jahr und bin super zufrieden. Anfangs sind sie nicht ganz so flauschig wie ihre Wegwerf-Kollegen, aber daran gewöhnt man sich schnell und zumindest ich empfinde sie mittlerweile als wesentlich angenehmer.

2. Monatshygiene mit der Menstruationstasse

Menstruationstasse mit Aufbewahrungstäschchen

Menstruationstassen können viele Jahre lang benutzt werden.

Die Natur hat es so vorgesehen, dass Frauen ein Mal im Monat ihre Regelblutung bekommen. Dafür können wir nichts, finden es meist nicht sonderlich prickelnd, aber so ist es nunmal. Die meisten Mädchen und Frauen meiner Generation sind wohl eher an Tampons, als an Wegwerf-Binden gewöhnt. Daher gehe ich an dieser Stelle auch nur auf Tampons ein. Die Blutung fällt von Frau zu Frau und auch durchaus von Zyklus zu Zyklus unterschiedlich aus. Ich gehe mal von mir aus: In einem Monat hatte ich etwa 15 bis 20 Tampons verbraucht, also 180 bis 240 im Jahr. Die bekannte Marke o.b., Sorte Original im 32-Pack kostet z.B. 2,75 €. Um ein Jahr damit hinzukommen (falls man nicht im Vorratspack kauft), benötigt man also 5 bis 8 Packungen und muss dafür 13 bis 22 € erübrigen. Die Verpackung besteht aus Karton aus Recycling-Papier und Druckfarbe auf pflanzlicher Basis, allerdings ist jeder einzelne Tampon in Folie gewickelt. Für die Anschaffung einer Menstruationstasse muss man sich für eine Größe entscheiden und 15 bis 30,- € investieren. Ich hatte mir vor einem Jahr eine günstige Menstruationstasse von Cozy Cup bestellt, weil ich der ganzen Sache noch nicht so recht getraut hatte. Ich habe sie in der kleinen Größe und bin immernoch zufrieden. Die Investition in eine Menstruationstasse ist erstmal hoch, lohnt sich aber auf lange Sicht enorm, da sie viele Jahre benutzt werden kann. Im Gegensatz zu Tampons kommt es bei der Verwendung der Menstruationstasse nicht zu unangenehmen Gerüchen. Außerdem besteht die Gefahr des Toxischen Schocksyndroms nicht, was durch einen zu lange benutzten Tampon durchaus vorkommen kann. Nach der Periode kocht man den Cup aus und bewahrt ihn in dem mitgelieferten Säckchen aus. Anfangs ist es natürlich ungewohnt. Viele Nutzerinnen und auch mich hat das lange Silikon-Ende gestört, welches eigentlich das Entfernen des Cups erleichtern soll. Ich fand es nun unangenehm und bekomme den Cup viel besser mit beiden Fingern heraus. Also habe ich das Ende vorsichtig mit einer Schere entfernt und nur ein winziges Stück drangelassen, damit ich nicht aus Versehen ein Loch hinein schneide. Ich wollte es erst nicht glauben, aber das Einführen geht nach der Eingewöhnungszeit und mit etwas Übung wirklich einfach vonstatten und ich möchte meine Menstruationstasse nicht mehr missen.

3. Wäsche waschen mit Kastanien

Wäsche waschen mit Kastanien

Natürliches Waschmittel kann man ganz einfach aus Kastanien herstellen.

Über die Herstellung und Anwendung von Kastanien-Waschmittel findet ihr bereits einen ausführlichen Artikel auf dem Blog. Ich habe noch Waschmittel-Restmengen von Coral Optimal Color übrig, die ich aufbrauchen möchte, bevor ich komplett auf Öko-Waschmittel umsteige. Eine Plastikflasche davon fasst 1,5 Liter, soll für 20 Waschladungen ausreichen und kostet 2,95 €. Auf der Flasche wird u.a. vor allergischen Reaktionen und schweren Augenreizungen gewarnt. Das enthaltene Benzisothiazolinon wird als gesundheits- und umweltschädlicher Stoff eingestuft. Unzufrieden mit der Waschleistung und um die Umwelt zu schonen, habe ich mich auch hier nach Alternativen umgesehen. Nachdem meine Reste aufgebraucht sind werde ich auf umweltschonendes Waschmittel von ecover umsteigen. Es geht aber noch natürlicher und dazu noch kostenlos. Im September bin ich über einen Beitrag über Kastanienwaschmittel von dariadaria. gestoßen, einer jungen Bloggerin aus Wien, die sich u.a. mit Zero Waste beschäftigt. Das wollte ich unbedingt selbst ausprobieren. Also sammelte ich Kastanien, schnitt sie in Stücke, legte sie einige Stunden in warmes Wasser und gab die trübe Flüssigkeit zu meiner Waschladung. Die Wäsche ist sauber geworden, hat angenehm aber nicht aufdringlich gerochen und ich hab dafür (außer für das Leitungswasser) keinen Cent bezahlt. Wer den Herbst nutzt und etwa 5 kg zusammenbekommt, kann damit ein ganzes Jahr auskommen. Davon ausgehend, dass ich 2 bis 3 Mal im Monat eine Ladung Wäsche wasche, komme ich auf 24 bis 36 Waschgänge im Jahr. Man benötigt also 1 bis 2 Flaschen Flüssigwaschmittel und zahlt 2,95 bis 5,90 €. Kastanien kann man (von Bäumen, bei denen es erlaubt ist) kostenlos sammeln. Dresdner Trinkwasser kostet 2,14 € pro 1000 Liter. Für eine Portion Kastanienwaschmittel verwende ich etwa 250ml Leitungswasser. Damit komme ich auf 6 bis 9 Liter Wasser für 1 bis 2 Cent im Jahr.

4. Haare waschen mit Roggenmehl

Rogenmehl-Haarwaschmittel

No-Poo-Haarwaschmittel aus Roggenmehl muss vor jeder Anwendung frisch angerührt werden.

Neben Haarseife ist auch Roggenmehl zum Haare waschen geeignet. 1 kg Roggenmehl kostet um die 1,35 € und ist ausreichend für etwa 50 Haarwäschen mit jeweils etwa 3 Löffeln Mehl und einem Schluck Leitungswasser. Das Mehl wird in einem Säckchen aus Papier verkauft, herkömmliches Shampoo dagegen in Plastikflaschen. Da ich wirklich nicht viel Wasser dazugebe, lasse ich die Rechnung dafür an dieser Stelle weg. Die Masse wird verrührt, bis sie eine gelartige Konsistenz bekommt. Bei der ersten Verwendung hab ich nicht schlecht geschaut, dass die Masse ‒ mal abgesehen davon, dass sie nicht schäumt ‒ sich nicht großartig anders anfühlt als herkömmliches Shampoo. Wichtig ist beim Haare waschen mit Roggenmehl, dass ihr die gesamte Kopfhaut damit bedeckt ‒ und damit den Ansatz eurer Haare ‒ und dass ihr das Mehl sehr gründlich ausspült, da sonst unschöne Rückstände im Haar zurückbleiben. Die Längen und Spitzen kann man auslassen wenn man möchte, da man den meisten Talg ja sowieso am Ansatz hat. Die Spitzen pflege ich bei Bedarf mit Kokosöl, welches ich über Nacht einwirken lasse und mit der nächsten Haarwäsche auswasche. Ich wasche meine Haare noch relativ oft, da sie recht schnell nachfetten. Seit dem ich kein konventionelles Shampoo mehr benutze, ist das aber wesentlich besser geworden ‒ ich wasche sie nicht mehr täglich, sondern nur noch alle 2 bis 3 Tage. Damit komme ich auf 10 bis 15 Haarwäschen im Monat bzw. 120 bis 180 im Jahr im Gegensatz zu 240 bis 300 bei der fast täglichen Haarwäsche mit Shampoo. Ein konventionelles Shampoo in der 250ml-Plastikflasche, von dem man je nach Haarlänge um die 10 ml je Haarwäsche verwendet, reicht für etwa 25 Haarwäschen aus. Im Jahr kommt man so auf 9 bis 12 Flaschen Shampoo für 18 bis 24,- €, wenn man von 2 € pro Flasche ausgeht und seine Haare fast täglich wäscht. Mit Roggenmehl benötigt man 2 bis 4 Tüten für 3 bis 6,- €. Man hat hier also sogar eine direkte Ersparnis, zumal viele Shampoos, z.B. von Friseuren, weitaus mehr kosten. Anstatt 9 bis 12 Plastikflaschen wegzuwerfen, kann man im Jahr nur 2 bis 4 Papiertüten zum Altpapier geben oder sogar kompostieren.

5. Putzmittel aus Zitrus-Schalen

Zitrusschalen in Essigessenz

Zitrusschalen können auch ohne Kompost sinnvoll verwendet werden, in dem man Essigreiniger mit Zitrusduft daraus herstellt.

Essig wurde schon von meiner Oma zum Reinigen empfohlen. Er ist günstig (ich gehe von 20,- € für 10 l Essigessenz aus) und tötet Bakterien ab. Essig-Allzweckreiniger aus dem Supermarkt kostet etwa 1,50 € pro Liter und man verwendet um die 50 ml Reiniger auf 5 Liter Wasser. Sowohl die Essigessenz, als auch der Allzweckreiniger, werden in Plastikflaschen verkauft. Allerdings bekommt man die Essenz in 2-Liter-Packungen und verwendet diese meistens verdünnt mit Wasser. Zitrusschalen fallen an und kosten an sich nichts extra. Nur landen sie statt auf dem Kompost in einem sauberen Schraubglas. Die Verdünnung von Essigessenz kann je nach Härtegrad der Verschmutzung angepasst werden. In diesem Fall habe ich die Essenz 1:1 mit Wasser gemischt auf die Schalen gegossen. Um Schimmelbildung zu verhindern, sollten alle Schalen komplett bedeckt sein. Nach 1 Woche kann man den selbstgemachten Reiniger in eine Sprüchflasche füllen oder direkt aus dem Glas auf ein Tuch geben und loslegen. Ich bin alles andere als ein Putzteufel, aber 2 Mal im Monat versuche ich schon meine Wohnung grundzureinigen. Hier spart man schon in erster Linie Verpackungsmüll und Geld, wenn man überhaupt auf Flüssigreiniger und Putzlappen zurückgreift, als diese abgepackten Feucht-Reinigungstücher zu nehmen. Wenn ich also 2 Mal im Monat bzw. 24 Mal im Jahr zu Flüssigreiniger greife, brauche ich 1 bis 2 Flaschen herkömmlichen Allzweckreiniger für 1,50 € bis 3,- € oder eine Großpackung Essigessenz für 20,- €, die locker für 6 Jahre reicht, wenn man mit einem 250 ml-Glas selbst angesetztem Reiniger einen Monat hinkommt. So zahlt man für ein Glas etwa 25 Cent. Die 0,3 Cent für das dafür verwendete Leitungswasser im Jahr sind fast nicht der Rede wert. So habt ihr also eine sinnvolle Verwendung für Zitrusschalen, falls ihr keinen Kompost besitzt. Mit ätherischen Ölen könnt ihr euren Zitrusduft auch noch verfeinern, falls er euch mal zum Hals raushängt. Die Gläser dafür verwende ich einfach von gekauftem Rotkraut, Kichererbsen o.ä. wieder, womit das auch nichts extra kostet. Und vor allem habt ihr anstelle von 2 Plastikflaschen im Jahr, nur eine größere Platikflasche in 6 Jahren auf den Müll geworfen.

6. Einkaufen mit Stoffbeuteln und mitgebrachten Gefäßen

Es liegt auf der Hand, dass wir enorm viel Müll produzieren, wenn wir jede Obstsorte beim Einkauf in eine separate Plastiktüte werfen. So kommt man schnell auf 5 Tüten pro Wocheneinkauf plus die große Plastiktüte, um alles nach Hause zu transportieren. Das macht allein für den Wocheneinkauf 288 Plastiktüten im Jahr plus eine Menge weiterer für Shopping-Wochendenden, die Wursttheke oder Muttis Reste vom Familienessen. Diese 288 Plastiktüten kann man ganz simpel durch wenige, sagen wir 5, verschieden große Baumwollbeutel ersetzen. Gehen wir mal davon aus, dass eine Platiktasche dank dem neuen Gesetz 20 Cent kostet und wir nur eine pro Wocheneinkauf verwenden (bei vielen Menschen kommen hier wesentlich mehr zusammen), zahlen wir im Jahr 9,60 € dafür. Das ist viel weniger als für die 5 Baumwolltaschen, die mit 25,- € zu Buche schlagen, aber diese begleiten einen mehrere Jahre. Bereits nach drei Jahren hat man mit den Stofftaschen den Anschaffungspreis somit wieder rein und man hat in den drei Jahren mindestens 864 Plastiktüten vermieden. Rechnet das mal wieder auf die Einwohnerzahl Deutschlands hoch und ihr versteht den enormen Unterschied für die Umwelt. Außerdem sehen Stoffbeutel auch viel cooler aus als Plastiktüten und ihr tragt keine Werbung zur Schau.

7. Kleidung aus zweiter Hand

Indoor Flohmarkt Party Dresden

Second Hand hat schon lange nichts mehr mit „schmuddelig“ zu tun.

„Second Hand ist was für Leute, die kein Geld haben“, „Second Hand ist eklig“, „Second Hand gibts keine schönen Klamotten“… Solche und ähnliche Sätze sind heutzutage definitiv nicht mehr aktuell. Online-Shops und -Tauschbörsen wie eBay Kleinanzeigen oder Kleiderkreisel machen den Erwerb und das Verkaufen getragener Kleidung so einfach wie nie zuvor. Aber auch die klassischen Flohmärkte erstrahlen in neuem Glanz. So hab ich z.B. vor ein paar Wochen die Fashion Lounge Dresden besucht, auf der nur ausgewählte Stücke auf die Kleiderstangen gehängt wurden. Ziel der Veranstaltung war es, Second Hand und Flohmärkte für eben die schmackhaft zu machen, die die oben genannten Vorurteile verfechten. Denn Second Hand muss nicht schmuddelig sein. Ganz im Gegenteil. Der Abend in der Fashion Lounge war ziemlich glamourös für einen Flohmarkt mit Sektempfang und Aussicht über ganz Dresden. Es gab Zeiten in meinem Leben, in denen ich fast täglich die bekannten Modeläden auf der Prager Straße in Dresden abklapperte und viel Geld ausgegeben habe, um so trendy zu sein wie die Mädchen, zu denen ich eigentlich nie gehören wollte. Anfang diesen Jahres hat es endgültig Klick in meinem Kopf gemacht. Ich besuchte die Ausstellung Fast Fashion im Hygienemuseum,  zog mir eine Netflix-Dokumentation nach der anderen rein und mistete meinen Kleiderschrank aus. Wo ich früher bis zu 100,- € im Monat für einen Berg Klamotten ausgegeben habe, den ich nie angezogen habe, zahle ich jetzt vielleicht 100,- € für ein oder zwei ausgewählte Stücke im halben Jahr inklusive einiger Second-Hand-Schnäppchen, die ich liebe und die mich noch viele Jahre begleiten werden. Ich kann an dieser Stelle nicht umfangreich genug auf die Thematik eingehen, um die Zweifler unter euch zu überzeugen. Alle anderen wissen sicher schon Bescheid. Aber ich empfehle jedem von euch, die Modeindustrie zu hinterfragen, 5 Minuten Zeit in Recherche zu investieren und ihr werdet verstehen, warum Flohmärkte neben nachhaltigen und fairen Mode-Labels eine bessere Alternative ist als H&M, Zara, Primark und Co.

Bonustipp: Hört auf mit dem Ohrenputzen!

Die Aufforderungs-Form habe ich absichtlich gewählt, da mich diese Thematik eine ganze Weile beschäftigt und es mich viel Überwindung gekostet hat, damit aufzuhören: Ohren putzen mit Wattestäbchen. Ich hatte bis vor einigen Monaten täglich früh und am Abend meine Ohren mit einem Wattestäbchen „gesäubert“. Eigentlich schiebt man den Ohrenschmalz nur ins Ohr hinein, als ihn seine Aufgabe machen zu lassen und Dreck aus der Ohrmuschel nach außen zu befördern. Das kann in Extremfällen zu Trommelfell-Durchbrüchen und dadurch Gehörlosigkeit führen. Irgendwann hatte ich kapiert, dass das Stäbchen in meinem Ohr nicht zur Reinigung diente, sondern eine dumme Angewohnheit war, die mich beruhigte. Von heut auf morgen hab ich es einfach gelassen. Einige Wochen musste ich mich richtig zusammenreißen. Diesen Drang kann man recht einfach befriedigen, in dem man mit einem Tuch oder beim Duschen die Ohrmuschel mit dem Finger auswischt. Die Anatomie des gesunden Körpers verhindert, dass man seinen Finger zu tief in den Gehörgang bekommt. Diese Variante ist tausend mal besser als Wattestäbchen, da wirklich nur der äußere Ohrenschmalz entfernt wir und man nichts nach hinten schiebt. Wer es gar nicht lassen kann, sich irgendwelche Stäbchen ins Ohr zu schieben, der sollte zumindest auf Bambus-Ohrenstäbchen umsteigen. Anstelle von 672 Wattestäbchen im Jahr benutze ich mittlerweile ein Tuch und nichts weiter. Ich spare also an dem Plastikstab in den Dingern und an der Plastikverpackung (meist ist zumindest ein Sichtfenster aus Plastik eingebaut), sowie 1,18 € für den Kauf der Wattestäbchen im Jahr.

Praktischer Nebeneffekt: Geld sparen durch Zero Waste

In die meisten müllfreien Alternativen muss man erstmal etwas mehr Geld als gewohnt investieren. Dafür lohnt sich die Anschaffung auf lange Sicht nicht nur für die Umwelt, sondern auch für euren Geldbeutel. Allein durch die oben beschriebenen Alternativen komme ich in einem Jahr leicht auf eine Ersparnis von 42,25 € (ohne Erstanschaffungspreis für Menstruationstasse und waschbare Abschminkpads). Die Kleidung habe ich hier absichtlich außen vorgelassen, da die Summe zu stark variiert. Immerhin verkauft man ja auch Klamotten, das Geld nutzt man dann wieder bzw. kaufen manche einfach wesentlich seltener Kleidung ein als andere. Wenn man bedenkt, dass ich wirklich nur wenige Möglichkeiten aufgelistet und sehr grob durchgerechnet habe, kann man eine ganze Menge Geld mit einem müllfreien Lebensstil sparen. Nochmal: Bei den aufgeführten Zahlen handelt es sich um meine Schätzungen, Recherchen und persönlichen Erfahrungswerte und nicht um wissenschaftlich korrekte Angaben. Ich möchte euch damit lediglich veranschaulichen, dass ihr neben einen riesen Berg an Abfall, vor allem in Form von Plastik, auch noch eine Menge Geld sparen könnt, wenn ihr auf Zero-Waste-Alternativen umsteigt.

Fazit

Mit ein wenig Recherche könnt ihr in eurem Alltag jede Menge Abfall vermeiden und dazu auch noch Geld sparen. Nicht nur die Umwelt wird es euch danken, sondern auch eurer Gewissen und eure Geldbörse. Außerdem macht es unheimlichen Spaß, neue Hausmittel auszuprobieren und Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Also los: Rettet die Welt, spart Geld und habt Spaß dabei!

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.