Instawalk durch die Magic City ‒ Steetart im Schnelldurchgang

Streetart Ausschnitt Herakut

Magic City ‒ Die Kunst der Straße

Über den ein oder anderen Artikel zur Magic City bin ich bereits gestolpert, habe mich aber nicht weiter damit beschäftigt. 3D-Bilder kannte ich schon, das schien dieses Jahr irgendwie im Trend zu sein. Eindrucksvoll, ohne Frage. Aber wie mit den Streetfoodmärkten ist auch damit irgendwann der Bogen überspannt und man scrollt einfach weiter.

Die Randinfos zur Ausstellung (Ort, Dauer, Eintritt) findet ihr am Ende des Beitrags.

Drache lila Wolken Detailansicht

Chinas wohl bekanntester 3D-Streetart-Künstler Qi Xinghua verewigte sich mit einem riesigen Drachen in der Magic City.

Was ist ein Instawalk?

Unter einem Instawalk konnte ich mir bis letzte Woche noch überhaupt nichts vorstellen. Irgendwas mit Instagram und nem Spaziergang, dachte ich mir. Das trifft es eigentlich schon recht genau:

Bei einem Instawalk treffen sich Instagram-Nutzer zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort (meist eine Veranstaltung oder eine Führung durch eine Ausstellung) und fangen bevorzugt mit dem Smartphone, aber auch mit der Kamera Momente des gemeinsamen Treffens ein. Die entstandenen Bilder werden mit einem vorher festgelegten Hashtag zeitnah auf Instagram veröffentlicht.

Das sieht dann zum Beispiel so aus:

Was nach einem Haufen Nerds mit zu viel Zeit klingt, ist eine durchaus sinnvolle Idee:

  • Teilnehmer knüpfen neue, reale Kontakte und vergrößern ihr Netzwerk
  • Blogger gewinnen neue Leser oder Fotografen neue Kunden etc.
  • Veranstalter erreichen mehr Menschen, quasi durch kostenlose Werbung
  • zukünftige Besucher erhalten vielfältige Informationsquellen aus Besuchersicht

Man kann es also als Win-Win-Situation für alle Beteiligten betrachten.

Instagram-Nutzer beim Instawalk

Chris Kloss und Toni Stadler lassen ihre Smartphones beim Instawalk glühen.

#InstawalkDD und #MagicCityLife

Mein erster Instawalk wurde von Chris Kloß spontan organisiert und führte mich durch die besagte Magic City. Eingeladen wurde ich passend über eine private Nachricht über Instagram (die ich erstmal überhaupt nicht gesehen hab) und bin nach Zusage auch gleich der dazugehörigen Facebook-Gruppe von Instawalk Dresden beigetreten.

Diese Gruppe ist keinen Bloggern oder anderen Influencern vorbehalten, sondern richtet sich an alle Interessierten ‒ Hauptsache Instagram ist auf dem Smartphone installiert. Wenn ihr also beim nächsten Treffen dabei sein wollt, meldet euch doch einfach bei Chris oder schaut in dieser oder einer anderen Gruppe auf den sozialen Medien vorbei.

Pünktlichkeit ist nicht immer eine meiner Stärken, dass dann aber auch noch meine Tram kurz vor dem Ziel am Albertplatz warten musste, weil mal wieder ein paar Autos demoliert werden mussten war Pech. Chris war aber so nett auf mich und den zweiten Pechvogel Toni aus der Tram zu warten.

Kreative Einstimmung im SPIKE Lab

Die Begrüßungsrunde fiel recht kurz aus, da wir nur 30 Minuten für unseren Graffiti-Crashkurs im SPIKE Lab übrig hatten. Für mich sind Graffiti und Streetart auf jeden Fall eine Kunstform, aber ich bin in diesem Bereich definitiv nicht mit Talent gesegnet. Sebastian Girbig alias Slider und Andre Krommer alias Andy K saßen bei uns am Tisch, erzählten von der Geschichte und der Bedeutung hinter ihrer Kunst und animierten uns zum Gestalten.

Ausschnitt Graffiti Andy K

Einige Werke von Andy K sind im Spike Lab und in der Magic City zu bestaunen.

Ist Streetart überhaupt Kunst?

Ja. Diese Frage kann ich ganz klar beantworten. Wie bei allen Hobbies und Kunstformen gibt es natürlich auch Menschen, die dieses Handwerk negativ betreiben und z.B. illegal Fassaden bemalen oder schlichtweg untalentiert sind. Es gibt aber auch unzählige Künstler, die sich ihr Geld mit dem professionellen Ausüben verdienen, die weltweit bekannt geworden sind und die ihre Kunst auch wirklich als solche verstehen und sich darin verwirklichen.

Unter Streetart kann man ganz allgemein Kunst im öffentlichen Raum verstehen. Dabei kann es sich sowohl um Bilder und Installationen, als auch um Aufführungen handeln. Diese können legal oder illegal sein. Meist wird mit dem Werk eine Meinung bzw. gesellschaftliche Kritik ausgedrückt und soll so zum Nachdenken anregen. Streetart kann sehr kurzweilig, aber auch von jahrzehntelangem Bestand sein.
Detailansicht Graffiti we.n.u.

Ausschnitt aus einem Werk von we.n.u., das die Geschichte von Graffiti darstellt.

Detailansicht Wäscheleine mit Bildern und Wäsche

Dass hinter Streetart mehr als, wie so oft heruntergeredet, Vandalismus steckt, macht Biancoshock mit seiner temporären Kunst besonders deutlich.

Die Magic City möchte das verruchte Bild von illegalen Schmierereien in den Köpfen der Menschen geraderücken und diese Kunstform salonfähig machen. Es soll eine Brücke zwischen Kunstkennern und denjenigen geschlagen werden, die sich bisher selten in Ausstellungen gewagt haben. Natürlich hat auch eine Familie mit Kindern viel zu staunen ‒ nur der Bereich der Künstlerin Aiko ist für unter 18-Jährige tabu.

Führung durch die Magic City

Ohne viel Zeit zu verlieren verließen wir nach der halben Stunde das SPIKE Lab, um uns in der neongelben Eingangshalle der Magic City wiederzufinden. Wir wurden bereits von unserem Guide erwartet. Seinen Namen möchte ich absichtlich nicht nennen ‒ er hat uns mehr als deutlich gemacht, dass er von Instagram und dem öffentlichen Teilen von Bildern und persönlichen Informationen nichts hält. Also möchte ich seinem Wink mit dem Zaunspfahl nachkommen und seine Identität wahren.

Künstler und Werke

Insgesamt 42 Künstler bzw. Künstlergruppen (weiter unten findet ihr eine Liste mit Namen und Links) aus aller Welt haben sich in der Magic City eingefunden, um ihre Werke von der Straße in die Ausstellungshalle zu bringen. Neben den anfangs erwähnten 3D-Bildern von Leon Keer durften wir die verschiedensten Darstellungsformen bewundern: Modell-Städte, Graffitis, Fotos, Drucke, Schablonentechnik, Collagen aus Müll, interaktive Szenen, meterhohe Installationen und ein quietschbuntes Karussell boten jedem Geschmack etwas.

Detailansicht Maus aus Müll

Sogar der Gedanke von Zero Waste lässt sich von Bordalo II formschön in ein Kunstwerk hüllen.

Um noch ein berühmtes Beispiel zu nennen, das vielleicht auch diejenigen kennen, die noch keinen Kontakt zu Streetart hatten: Der Zeichner einiger „Teenage Mutant Ninja Turtles“-Comics, Mark Bode, präsentiert seine Kunst auch in der Magic City.

Mein Favorit: herakut

Das Werk des deutschen Künstler-Duos herakut (Jasmin Siddiqui alias Hera und Falk Lehmann alias Akut) zog mich besonders in seinen Bann. Es strahl so viel Gelassenheit, jedoch gleichzeitig eine brodelnde Stimmung aus. Mir gefällt die Kombination der Farben, des Fotorealismus und der Schrift. Man würde wohl bei jedem Besuch der Magic City neue Details in diesem Werk finden.

Detailansicht Graffiti

Symbiose zweier Künstler mit komplett unterschiedlichen Stilen zu einem völlig neuen Stil: Detail aus dem Werk von herakut.

Detailansicht verknüpfte Stränge

Detail: Alles ist miteinander durch unsichtbare Stränge verknüpft.

Detailansicht herakut tag

Detail: Die wahre magische Stadt befindet sich in unseren Köpfen.

Vor diesem Bild verweilten wir einige Minuten, während unser Guide uns etwas über das Duo und ihr Engagement erzählte. Am liebsten hätte ich mich auf eine Leiter gestellt, um das Motiv in vollem Umfang und ohne perspektivische Verzerrung studieren zu können. Die Entstehung und die Gedanken hinter dem Werk erklären euch die Künstler am besten selbst:

Der Nachteil beim Instawalk

Die Führung war für mich ein Spagat: Ich hörte unserem Guide mit einem Ohr zu, das andere schenkte ich meinen „Mitläufern“ (oder wie man diejenigen sonst bezeichnet, die gemeinsam mit einem spazieren gehen). Nebenbei versuchte ich mit meiner Kamera und dem Smartphone Details einzufangen, ohne unserem Guide gegenüber zu respektlos zu sein und seine Worte zu überhören. Das gelang mir anscheinend nicht, da ich neben einem frauenfeindlichen Spruch auch solche einkassierte, die uns nochmal mit der Nase darauf drückten, dass unser gesamter Instawalk nicht in seiner Gunst steht.

Ironischerweise wurde unser Instawalk ‒ wir, die von einem Guide geführt wurden, der ein Problem mit Überwachung hat ‒ von einem Mann gefilmt, ohne dass wir darauf hingewiesen oder gefragt wurden…

Detailansicht Graffiti we.n.u.

Links: Überwachungskameras von SpY | Rechts: Kameramann vor dem Werk von ROA

Um sich wirklich auf die Werke einzulassen, fehlte mir schlicht die Ruhe. Ich hätte nach der Führung noch bleiben können, war aber schon zu einem weiteren Treffen verabredet. Aus dieser Erfahrung kann ich nur empfehlen, einen separaten Besuch zu planen, bei dem man Smartphone und Kamera in der Tasche lässt, keine Führung bucht und sich Zeit nimmt, um alles auf sich wirken zu lassen.

Aber auch so war der Besuch meine Zeit definitiv wert, weil ich so viel Inspiration aufgesaugt habe und viele Werke einfach ein wunderbarer Augenschmaus sind.

Informationen zur Ausstellung

Ihr könnt die Magic City noch bis zum 8. Januar 2017 in der Zeitenströmung Dresden besuchen. Die Eintrittspreise für Erwachsene liegen bei 12 bis 16 €, die von Kindern bei 7 bis 8 €. Man kann auch Familien-, Gruppen- und Saisonkarten erwerben.

Katze erscheint beim Hineinsehen in ein Guckloch

Sneak Peak

Liste der Künstler

Aiko | AKRylonumérik | Andre Krommer alias Andy K | Asbestos | Benuz bzw. Victor Manuel Pérez Esteves | Jens Besser | Biancoshock | Mark Bode | Bordalo II | Ori Carino & Benjamin Armas | Henry Chalfant | Martha Cooper | Isaac Cordal | Daze alias Chris Ellis | Brad Downey | Tristan Eaton | Ron English | Shepard Fairey FINO’91 | Ganzeer | Anders Gjennestad | Ben Heine | Jasmin Siddiqui und Falk Lehmann alias herakut | Icy & Sot | Leon Keer | Loomit | Claudia Walde alias MadC | OAKOAK | Odeith | Agata Oleksiak alias OLEK | Qi Xinghua | Replete | ROA | Jaime Rojo | Skewville | SpY | TrulyJuandres Vera | WENU | Dan Witz | Yok & Sheryo | Ernest Zacharevic alias Zach

Habt ihr die Ausstellung der Magic City schon besucht oder die Werke der Künstler „auf freiem Feld“ entdeckt? Dann lasst mir doch einen Kommentar da. Ich bin gespannt auf eure Eindrücke.

Über den Autor

Kim-Alexandra Nagy ist Gründerin dieses Blogs und Mediengestalterin mit Leib und Seele.

Erfahre mehr auf Facebook und Xing

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.