Sportliche Hochzeit im Schnee ‒ Eindrücke meines Wochenendes in Fiss

Crystal Cube

Einzigartig soll sie sein, individuell und einprägsam ‒ eine Hochzeit soll im Idealfall nur ein einziges Mal im Leben zweier Menschen stattfinden und einer ihrer schönsten Momente sein. Wie weit die Vorstellungen dieses perfekten Tages auseinander gehen, habe ich vergangenes Wochenende erfahren.

Individuelle Hochzeit in Weiß

Ich stelle mir beim Gedanken an meine zukünftige Hochzeit Palmen, Strand und Meer vor. Ganz anders empfand das Paar, über das ich schreiben möchte. Sie konnten sich nichts schöneres vorstellen, als sich ganz in Weiß das Ja-Wort zu geben. Und damit meine ich nicht nur ihr Brautkleid. Ihr Hochzeitstag fand im Schnee auf einem Berg in Österreich statt. Im Ski-Gebiet Serfaus-Fiss-Ladis um genau zu sein.

Blick auf das Ski-Gebiet

Dank der Seilbahn konnte man das gesamte Ski-Gebiet von Serfaus-Fiss-Ladis betrachten.

Empfang im 4-Sterne-Hotel

Nach meiner sechsstündigen Anreise erwartete mich ein bequemes Bett im sehr liebevoll und hochwertig eingerichteten 4-Sterne-Hotel Garni Montes Fiss. Obwohl schon spät am Abend, begrüßte mich die Dame am Empfang äußerst freundlich und führte mich zu meinem Zimmer. Es war groß, hatte einen Balkon mit Ausblick auf die Berge und im Badezimmer lagen liebevoll arrangierte Präsente bereit. Ich fühlte mich rundum wohl. Nur die freizügige männliche Wanddekoration, die den gesamten Raum auf dem Frauenklo einnahm, fand in nicht so prickelnd. Sicherlich ist das für die ein oder andere Frau ein Hingucker oder Lacher. Aber eine Lesbe, Bisexuelle oder Trans-Frau findet das unter Umständen nicht so erotisch oder lustig. Auf dem Männerklo war natürlich der Gegenpart dekoriert. Ich finde im 21. Jahrhundert haben solche Klischees nichts mehr verloren.

Komfortzimmer

Das Komfortzimmer machte seinem Namen alle Ehre.

Frühstücks-Buffet

Das Frühstücks-Buffet bot dem hungrigen Morgenmuffel alles, was für einen guten Start in den Tag vonnöten ist. Die Brötchen waren schön weich, der Aufschnitt frisch und mein Latte Macchiato aus dem Kaffeeautomaten war auch tadellos. Auf Wunsch brachte die Bedienung noch frisches Rühr-oder Spiegelei an den Tisch. Omnomom. Nur das nahende Ende der Wintersport-Saison konnte man an manchen Gesichtern der Angestellten ablesen. Wer könnte es ihnen verdenken. Es machte den Eindruck, dass Personalmangel bei der direkten Bedienung der Gäste herrschte. Damit gingen manche mehr und manche weniger professionell um, was sich hier und da auf das Wohlbefinden der Gäste projizierte. Insgesamt wurde aber allen Wünschen entsprochen.

Erkundungstour und zu viel Bier

Am ersten Tag waren noch nicht alle Gäste da und man hatte Zeit die Gegend zu erkunden. Ich schloss mich einem pensionierten Fotografen und seiner Gruppe an, nachdem ich in einem beheizten Zelt zwei fassfrische Radler getrunken und mich mit dem Rest der Runde bekannt gemacht hatte. Dass die Radler ein Fehler waren, bemerkte ich schon nach wenigen Metern, als meine Blase sich allmählich bemerkbar machte. Zum Glück fanden sich am Rande der Ski-Strecken immer genügend Unterstellmöglichkeiten mit WC.

Aufwaermung im Barzelt

Im beheizten Zelt konnte ich meine kalten Finger wärmen und mich an fassfrischem Radler laben während ich die Aussicht genoss.

Der Kunde ist nicht überall König

Nach Befriedigung meines naturgegebenen Bedürfnisses, alles auf Bild festzuhalten, war mein nächstes Ziel das Bergrestaurant Steinegg. Hier wurde ich leider in Sachen Bedienung, Professionalität und Gastfreundschaft herbe enttäuscht. Lediglich zwei Angestellte liefen hastig außerhalb und im Restaurant umher, was bei Anbetracht der Gästeanzahl viel zu wenig erschien. Man merkte ihnen ihren Unmut und ihre Erschöpfung an. Sie gaben sich auch keine wirkliche Mühe, diese zu überspielen. Wir wurden nicht als Gruppe wahrgenommen und haben unsere Teller zeitlich sehr versetzt erhalten, was ein gemeinsames Speisen unmöglich machte. Auf meine freundliche Bitte nach etwas mehr Senf zu meiner Weißwurst knallte man mir ein Tütchen Senf ‒ kein süßer wohlgemerkt ‒ neben den Teller. Auf Fragen wurde schroff reagiert und bei Verneinung keine Alternative angeboten. Für eine schnelle Stärkung ohne große Ansprüche an eine nette Bedienung hat es gereicht.

Wirtshaus Steinegg

Das Wirtshaus Steinegg konnte leider nicht mit Gastfreundschaft punkten. Zumindest hat der Koch seine Sache gut gemacht.

Entspannen im Hotel

Kommen wir zu einer angenehmeren Erfahrung. Nach dem ereignisreichen und anstrengenden Tag genoss ich ein Bad im hoteleigenen Swimmingpool. Ein kleiner Junge musste seine Energie in Form von wildem Plantschen abladen, was ein wenig nervig, aber auch verständlich war. Danach stand einer erholsamen Sprudel-Einheit im integrierten Whirlpool jedoch nichts mehr im Wege.

Selbstgestaltete Geschenke kommen von Herzen

Im Anschluss erwartete man mich bei der Party an der Hotel-Bar. Geschenke wollten verteilt und Biere gekippt werden. Ich hielt mich an einen Burger, Scampi in Kartoffelmantel und Cocktails. Hervorragend. In einer kleinen Gruppe wurde meine selbst gebastelte Karte ‒ von dem handgeschöpften Papier mit eingearbeiteten getrockneten Blüten habe ich leider kein Bild gemacht ‒ an das zukünftige Brautpaar übergeben. Den zweiten Tag beendete ich gegen Mitternacht und ließ mich in das weiche Bett fallen.

Hochzeitskarte

Das Bild, welches auf handgeschöpftem Papier mit eingearbeiteten getrockneten Blumen seine Bestimmung in den Händen des Brautpaares fand, ziert auch das Moodboard über meinem Schreibtisch.

Überwältigend was passieren kann, wenn sich die Fingerspitzen zweier Menschen ganz leicht berühren ‒ zur rechten Zeit am rechten Ort. Hans Kruppa

Der Tag der Trauung in drei Etappen

Etappe 1: Schwindelerregend schöne Trauung im Crystal Cube

Der eigentliche Hochzeitstag stand erst noch bevor. Die Trauungszeremonie fand im Kreis von lediglich acht Personen im futuristisch anmutenden Crystal Cube statt. Nachdem die Braut nach einigem Warten ankam und mit ihrem baldigen Ehemann durch die überkreuzten Ski-Stöcke lief, warteten die anderen Hochzeitsgäste und ich im kalten Wind auf die entscheidenden Worte. Die Trauung wurde über Lautsprecher live nach draußen übertragen. Trotz immernoch wütender Erkältung blicke ich gern auf diesen einzigartigen Moment zurück.

Crystal Cube

Eine Trauung mit 360°-Blick im Crystal Cube ist schon was besonderes.

Brautstrauss Expresslieferung

Der Hochzeitsstrauß wurde von der Pistenrettung direkt zum Bräutigam geliefert.

Etappe 2: Häppchen, Sekt und Freudentränen mit Panorama-Ausblick

Das somit frisch vermählte Paar fuhr nach dem Ankommen unseres Pisten-Taxis stilecht auf Skiern zu unserem Zwischenstopp, dem Panoramarestaurant Bergdiamant. Nach dem Sektempfang lauschten wir zwei emotionalen Reden, die nicht nur die Braut zu Tränen rührten.

Etappe 3: Gaumenfreuden in gemütlicher Zirbenhütte

Seinen krönenden Abschluss fand das Hochzeits-Wochenende in einer üppigen und süffigen Feier im Genussrestaurant Zirbenhütte. Eingeleitet von mehreren Ski-Formationen mit dem und für das Brautpaar fanden sich die Gäste zwischen warmen Decken, prickelnden Getränken und exquisiten Häppchen wieder. Der Blick auf das wunderschöne Gebirge war bis zum Sonnenuntergang ‒ der leider durch die Berge nicht zu sehen war ‒ zu genießen. Umgezogen, frisch gepudert und nach einer lustigen Vorstellungsrunde wurde uns ein 4-Gänge-Menü vom Feinsten serviert. Es war zu schade, dass der Magen gar nicht alles fassen konnte. Ein Lob an die Köche! Das Personal war hier auch ausgesprochen zuvorkommend, freundlich und gut gelaunt. Bis in den Morgen tanzte das Brautpaar unter den Hochzeitsgästen, bis alle nach und nach von Pisten-Taxis abgeholt und binnen 45 Minuten quer über den Berg zurück zum Hotel gebracht wurden.

Vorspeise Hochzeitsdinner

Als Vorbereitung auf das 4-Gänge-Menü wurde Brot mit verschiedenen Sorten bestreuter Butter und Aufstrichen serviert.

Hauptgang Hochzeitsdinner

Als Hauptgang wurden Kalb, Ochsenschwanz und Artischocken raffiniert zubereitet. Für Vegetarier und Veganer wurde eine Alternative angeboten.

Pistentaxi

Mit dem Pistentaxi kamen auch die Nicht-Ski-Fahrer schnell und bequem zum nächsten Ziel.

Abschied vom Schnee

Die fast direkt im Anschluss folgende sechsstündige Heimfahrt war zwar nicht so prickelnd, aber ich kann auf ein sehr schönes Wochenende und auf eine Hochzeit der besonderen Art zurückblicken. Wenn alles klappt möchte ich zur nächsten Wintersaison gern wieder nach Fiss fahren, um in dieser schönen Umgebung Snowboard fahren zu lernen. Einen Besuch ist dieses wunderschöne Stückchen Österreich allemal wert.

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