Vom Staatsfeind zum Kaffee-Plausch mit einem Oberstleutnant ‒ Warum Bildrechte wichtig sind

Instagram Original Post-Bild

Bildrechte sind ein ziemlich heikles Thema. Das durfte ich vor kurzem am eigenen Leib erfahren. Aber eins nach dem anderen…

Wie ich zur Gesetzesbrecherin wurde

Eine Bekannte von mir und Mitarbeiterin der Schule der Sicherheit Nord bat mich, von ihr und ihren Kollegen Fotos für ihre Firmenwebsite anzufertigen. Das diesjährige Treffen der Kieler Firma sollte in Dresden stattfinden sollte ‒ das passte also super. Als Shooting-Ort wählte ich die Mauer und die Treppe vor dem Militärhistorischen Museum Dresden, weil das Hotel, in dem sie ihre Meetings hielten, nur wenige Meter zu Fuß entfernt lag und ich mir das Setting gut vorstellen konnte. Gute Idee, dachte ich, und fotografierte munter drauf los. Wir hatten genug mit der Sonne und der dadurch entstehenden Schlagschatten sowie mit der richtigen Pose für die Visitenkarte zu kämpfen, da machte sich keiner Sorgen um andere Dinge. Mitarbeiter Glücklich. Fotos im Kasten. Auf nach Hause. Stolz präsentierte ich auf Instagram das erste Bild und machte mir nur Gedanken um die richtige Bildbearbeitung.

Instagram Original Post-Bild

Originalbild aus dem Instagram-Beitrag unmittelbar nach dem Shooting

Zuhause ging es dann erstmal mit der Arbeit weiter, mit der ich mir meine Brötchen verdiene. Homeoffice ist super! Den ganzen Tag freute ich mich schon aufs abendliche Sichten meiner Werke. Facebook musste natürlich auch darüber informiert werden.
Mitarbeiter-Gruppenfoto vor einer Mauer

Original-Text aus den Facebook-Beitrag: „Gestern durfte ich die Mitarbeiter der Schule der Sicherheit Nord und natürlich die zwei dazugehörigen Fellnasen für Ihre Homepage und für Visitenkarten ablichten. Mit einer Portion Humor und dank der lockeren Atmosphäre verging das Shooting wie im Flug. Als Location diente uns das Militärhistorisches Museum der Bundeswehr-MHM Dresden.“

Sowohl darauf, als auch auf das Instagram-Bild habe ich von dem Museum ein Like bekommen. Ein Tag hat leider nur 24 Stunden, also vertagte ich die Bildbearbeitung. Dazu sollte es aber nicht kommen. Gegen 16 Uhr erreichte mich dann eine E-Mail der Pressestelle des Militärhistorischen Museums. Unterzeichnet von einem Herr Bangert, Oberstleutnant. Oberstleutnant! Okay, ganz ruhig, das sind auch nur Menschen, das kenn ich ja von meiner Schwester. Vielleicht hab ich das Museum nicht richtig verlinkt oder sie danken mir für die kostenlose Werbung, dachte ich. Weit gefehlt!

Die Gefährdung der nationalen Sicherheit

Gekürzter Auszug der E-Mail:

Sehr geehrte Damen und Herren, auf der Facebook-Seite […] ist heute ein Posting […] online gegangen […]   Ich stelle fest, dass Sie in einem Militärischen Bereich der Bundeswehr Fotos erstellt haben, ohne eine Genehmigung dafür gehabt zu haben.   Im ersten Schritt und bis zur Klärung der Angelegenheit untersage ich Ihnen die Verwendung sämtlicher auf dem Musemsgelände angefertigten Bilder in jeglichem Kontext, insbesondere für eine Veröffentlichung, Weitergabe oder zur Nutzung und erwarten eine unverzügliche Löschung dieses Postings und jedem auf anderen Plattformen.   Wir erwarten Ihre Rückmeldung innerhalb dieser Woche und behalten uns ausdrücklich jede Form von rechtlichen Schritten vor.

Im Ernst? Haben die sich nicht mal die Mühe gemacht meinen Namen herauszufinden? Mir schossen tausend Gedanken durch den Kopf und ich begann zu recherchieren was das bedeuten könnte und vor allem welche Konsequenzen mich erwarten würden. Laut Strafgesetzbuch § 109g stellten meine Bilder eine Gefährdung der Sicherheit Deutschlands dar oder standen zumindest im Verdacht dies zu tun. Bitte, was?

StGB | § 109g | Sicherheitsgefährdendes Abbilden: „Wer von einem Wehrmittel, einer militärischen Einrichtung oder Anlage oder einem militärischen Vorgang eine Abbildung oder Beschreibung anfertigt oder eine solche Abbildung oder Beschreibung an einen anderen gelangen lässt und dadurch wissentlich die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland oder die Schlagkraft der Truppe gefährdet, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“

Wie fühlt man sich so als „Staatsfeind“?

Der Begriff ist schon ziemlich hart formuliert, aber genau so habe ich mich in diesem Moment gefühlt. Im Reinsteigern bin ich Spitzenklasse. Google half mir auch nicht unbedingt, um wieder auf den Teppich zu kommen: 5 Jahre Freiheitsstrafe, Gefährdung der Staatssicherheit, Geldstrafe... Das war alles, was mir vor Augen schwebte. Sonst denk ich immer an jeden Mist, aber dieses Mal hab ich keine Sekunde daran gedacht, mir eine Genehmigung zum Fotografieren einzuholen. Es war ja auch kein Schild zu sehen, das das verbieten würde, das Tor stand offen und die Mitarbeiter der Schule der Sicherheit Nord (viele ehemalige Leute von der Bundeswehr) hatten in dem Moment auch keine Bedenken geäußert. Natürlich entfernte ich an allererster Stelle die Posts von Facebook und Instagram. Nicht mal ans Speichern hab ich gedacht ‒ ich wollte keine „Beweise“ hinterlassen. Das verbrecherische Denken schien meinem Hirn also zu liegen. Dann informierte ich die Schule der Sicherheit Nord, damit sie keine Bilder an die Öffentlichkeit gelangen lassen. Zu tief hab ich mich schon im Schlammassel stecken gefühlt. Telefonisch erreichen konnte ich mittlerweile niemanden mehr im Museum ‒ was mir bei meinem Heulkrampf auch ganz recht war ‒ also schrieb ich eine Antwort auf die E-Mail. Mehr als alles andere war mir mein Fehler peinlich, weil ich sowas eigentlich bedenke und lieber ein Mal zu oft nachfrage, um auf Nummer Sicher zu gehen. Ich schleimte und kroch was das Zeug hielt, damit auch wirklich rüberkommt, dass das keine Absicht war und meine Scham Strafe genug ist.

Das Resultat: Einladung zum Kaffee mit einem Oberstleutnant

Das hat anscheinend ganz gut funktioniert. So kam es, dass Herr Bangert (darf man einen Oberstleutnant eigentlich ohne seinen Titel ansprechen?) mich angerufen hat. Mein Herz raste als ich die mir unbekannte Nummer auf dem Display sah und ganz genau wusste, um wen sich das nur handeln konnte. Natürlich hab ich ihn vorher schon im Netz unter die Lupe genommen. Mir fallen Konversationen einfach wesentlich leichter wenn ich von meinem Gegenüber bereits ein Bild im Kopf habe. Ich hab mit allem gerechnet. Vorsprechen auf dem Polizeipräsidium. Fragen stellen, wie ob man auch aus dem Gefängnis im „Homeoffice“ arbeiten kann. Oder ob man in deutschen Gefängnissen auch so furchtbare, orangefarbene Overalls bekommt. Womit ich nicht gerechnet hatte, war von einer äußerst sympatischen Männerstimme begrüßt zu werden, die mir von der Situation genauso peinlich berührt wie ich vorkam. Herr Bangert hatte sich in der Zwischenzeit meinen Blog zu Gemüte geführt und ihm blieb wohl besonders die Umschreibung „wissenshungrige Katzenmama“ im Gedächtnis hängen. Er erklärte mir, dass er zu dem Wortlaut in der E-Mail verpflichtet war und dass es ihm leid tut, dass ich in solch einer Situation gelandet bin. Kurzerhand verabredeten wir uns zu einem persönlichen Treffen im Café Zeitlos, welches sich im Militärhistorischen Museum befindet, um die Angelegenheit persönlicher zu klären. Ich brachte meinen Laptop mit und zeigte ihm die Bilder. Er musste lachen. Meine Bilder lichteten keine empfindlichen Objekte des Geländes ab, sondern wie bereits erwähnt nur die Mauer und die Treppe vor dem Museum. Kritisch wäre das Ablichten von Kriegswaffen oder Aufnahmen aus der Luft gewesen. Militärisches Gelände darf nämlich nicht überflogen werden. Ganz blöd wäre es gewesen, wenn ich die imposante „Metallspitze“, den künstlerischen Anbau am Gebäude, fotografiert hätte. Die Rechte daran liegen nämlich beim verantwortlichen Architekten Daniel Libeskind in New York, der gesondert angefragt werden müsste. Wir sind alle nur Menschen und persönlich kann man vieles schnell und einfach klären. Er spendierte mir einen Latte Macchiato, bot mir das „Du“ an und bat mich ihn zu informieren, sobald dieser Beitrag erscheint. Ich hatte Glück, dass ich an ihn geraten bin. Denn ein Bußgeld hätte man durchaus von mir verlangen können und so freundlich wäre sicher nicht jeder mit einem „Gesetzesbrecher“ umgegangen. Von ihm hab ich dann auch die ersehnte Erlaubnis zur Nutzung und Veröffentlichung der Bilder bekommen. Danke, Sebastian.

Fazit: Bildrechte sollten nicht auf die leichte Schulter genommen werden

Auch wenn die Geschichte in meinem Fall sehr glimpflich ausgegangen ist und ich mittlerweile darüber lachen kann, so hat mir das Ganze doch erstmal einen ganz schönen Stich versetzt. Ich hab weder Lust auf Geld- oder gar Gefängnisstrafen, noch will ich mich überhaupt erst mit jemandem über irgendwelche Rechte streiten. Beim nächsten Mal informiere ich mich vorher und hole eine schriftliche Genehmigung ein, die mir das Fotografieren und Veröffentlichen des Objektes oder Menschen oder sonstwas erlaubt. So ist man abgesichert und hat nichts zu befürchten. Bildrechte, die man beachten muss:

  • Urheberrecht (Wer hat das Werk geschaffen?)
  • Nutzungs-/Verwertungsrecht (Wer darf die Bilder wie veröffentlichen?)
  • Persönlichkeitsrecht (Wer wird abgelichtet und wie möchte dieser veröffentlicht oder genannt werden?)
  • Eigentumsrecht (Wem gehört das Objekt und darf ich es ablichten?)
  • Hausrecht (Darf man in den Räumen / auf dem Gelände fotografieren?)
  • Rechte an Gegenständen (Wer hat das Objekt kreiert, das ich fotografieren möchte und hat er etwas dagegen?)

Im Internet findet man viele Vordrucke, z.B. TFP-Verträge für Shootings mit Personen. TFP bedeutet „Time for Print“ und beschreibt einen Vertrag, bei dem sowohl das Modell als auch der Fotograf die entstandenen Bilder zur freien Verfügung erhalten und nutzen dürfen. Ein zusätzliches Honorar für das Modell oder den Fotografen (beides ist gängig) sind darin auch angegeben, es kann aber auch „kostenlos“ sein. Ich hoffe, ich konnte euch anhand meiner Geschichte verdeutlichen, dass man manchmal nicht einfach so drauf losknipsen sollte und das spätestens bei einer Veröffentlichung unschöne Konsequenzen nach sich ziehen kann. Also informiert euch vorher und sichert euch ab.

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