Umweltfreundliches Wäschewaschen mit Kastanien

Waschmittel aus Kastanien

Der Herbst ist da und mit ihm Unmengen von Kastanien, für die ich noch nie eine sinnvolle Verwendung hatte. Dank Maddie von Dariadaria hat sich das nun geändert.

Kastanien im Stoffbeutel

Zehn Minuten Sammeln haben mir bereits ein Kilogramm Kastanien eingebracht.

Klar, als Kind hab ich die hübschen, rotbraunen Dinger auch wie verrückt gesammelt. Dass die daraus gebastelten Männchen irgendwie sinnlos waren und am Ende doch nur im Müll oder bestenfalls auf dem Kompost landen, fand ich aber schon immer etwas sinnlos. Sehr sinnvoll finde ich dagegen die Verwendung von Kastanien zur Herstellung eines hausgemachten Waschmittels. Kastanienbäume und andere sammelbare Nüsse und Obst findet ihr z.B. online über Mundraub.

Warum nicht mit herkömmlichen Mitteln waschen?

Herkömmliche Waschmittel bestehen größtenteils auch chemischen Inhaltsstoffen, von denen ich nicht mal alles richtig aussprechen kann, geschweige denn weiß, was genau wir da an unsere Wäsche und damit an unsere Haut lassen und in Mengen die Leitungen herunterspülen. Ich möchte sie nicht verteufeln, hab ich doch selbst noch angefangene Plastikbehälter des chemischen Gemischs im Bad stehen. Wenn sich eine umweltschonende Alternative anbietet sag ich allerdings nicht Nein. Viele Allergiker schwärmen auch von der guten Hautverträglichkeit.

Die im weißen Fruchtfleisch der Kastanie enthaltenen Saponine („sapo“ ist lateinisch und bedeutet „Seife“) sind sekundäre Pflanzenstoffe, die in Verbindung mit Wasser aufschäumen und beim Waschen Schmutz und Gerüche aus unserer Kleidung entfernen.

Kastanien sind zudem biologisch abbaubar und können einfach in der Bio-Tonne oder auf dem Kompost entsorgt werden.

Vorteile von Kastanien gegenüber Waschnüssen

Nun wurde ich schon von einigen Freunden gefragt warum ich mir diese Mühe mache und nicht einfach Waschnüsse kaufe. Die gibts doch in jedem Supermarkt und sie sind gar nicht teuer. Waschnüsse werden üblicherweise aus Indien zu uns gebracht. Sie haben somit einen weiten Weg hinter sich, die Arbeitsbedingungen bei der Ernte sind nicht immer klar und auch wenig Geld ist und bleibt nun mal ausgegebenes Geld. Außerdem führt die hohe Nachfrage in Europa dazu, dass sie für die Bevölkerung im Herstellungsland zu teuer werden. Das führt wiederum dazu, dass dort günstigere, chemische Waschmittel verwendet werden, die oft einfach ungefiltert in Flüsse gespült werden und das Ökosystem belasten. Kastanien liegen zudem direkt vor unserer Haustür oder im Park um die Ecke. Wenn sie nicht als Tierfutter gespendet werden oder zur Entwicklung künstlerischer Fähigkeiten von Vorschulkindern dienen, werden sie von Autos überfahren oder in den Müll gefegt. Ist doch schade drum. Warum also nicht einfach auf unsere heimische „Waschnuss“ zurückgreifen? Das kostet kein Geld, Kinder ‒ und auch Erwachsene ‒ haben Spaß beim Sammeln und kommen mal wieder an die frische Luft und man weiß ganz genau was drin ist. Zur Waschleistung von Waschnüssen kann ich leider nichts sagen, da ich sie noch nicht ausprobiert habe.

Herstellung von Kastanien-Waschmittel

Kastanien-Waschmittel im Glas

Die Herstellung von Kastanien-Waschmittel ist super einfach.

Zutaten für eine Waschladung:

  • 5 bis 10 Kastanien (je nach Verschmutzung der Wäsche)
  • warmes Wasser (so viel, dass die Kastanien gut bedeckt sind)
Wenn ihr ein Mal in der Woche Wäsche wascht, solltet ihr für einen Jahresvorrat mindestens etwa 3,5 kg Kastanien sammeln (das ist nur ein ganz grob überschlagener Richtwert bei sparsamer Verwendung).

Herstellung und Verwendung für einen Waschgang:

  • Kastanien vorsichtig mit einem Messer zerkleinern (je kleiner, desto mehr Saponine können gelöst werden)
  • Kastanien-Stückchen über Nacht mit warmem Wasser bedeckt ziehen lassen
  • Sud absieben (oder direkt durch eine Socke/Waschsäckchen in das Waschmittelfach gießen)
  • abgesiebte Stückchen in einer Socke oder im Waschsäckchen mit in die Trommel geben

Herstellung und Verwendung auf Vorrat:

  • Kastanien vorsichtig mit einem Messer vierteln
  • in einem leistungsstarken Mixer oder mit einem Hammer (und viel Geduld!) zerkleinern
  • im Ofen bei 50°C Umluft (mehrere Stunden) oder an der Luft (mehrere Tage) trocknen
  • das trockene Granulat in einem luftdichten Behälter aufbewahren
  • bei Bedarf 3 bis 5 EL Granulat in warmes Wasser geben (1 EL auf 100 ml) und ein paar Stunden ziehen lassen
  • Sud absieben (oder direkt durch eine Socke/Waschsäckchen in das Waschmittelfach gießen)
  • abgesiebte Stückchen in einer Socke oder im Waschsäckchen mit in die Trommel geben
Bei der Trocknung an der Luft muss man darauf achten, dass auch unten genug Luft an das Kastanien-Granulat gelangen kann. Dazu verteilt man es am besten auf einem Tuch, welches man auf einen Ofenrost legt. Diesen stütz man dann auf beiden Seiten mit Büchern ab. So ist rundum für Luftzirkulation gesorgt.

Ich hab mein Kastanien-Granulat im Ofen getrocknet. Verteilt auf einem Blech und einem Gitter hat das für ca. 1 kg etwa 10 Stunden gedauert. Dabei muss ich erwähnen, dass ich die Kastanien nicht mit meinem mickrigen Stabmixer, sondern mühsam mit dem Hammer zerkleinert hatte. Die kleinen Krümel waren bereits nach 5 Stunden total trocken, nur die großen Brocken brauchten enorm lange. Es lohnt sich an dieser Stelle also in einen guten Mixer zu investieren, was auch ganz oben auf meiner Liste steht. Empfehlungen nehme ich an dieser Stelle dankend entgegen!

Getrocknetes Kastaniengranulat-Vorrat im Glas

Damit sich kein Schimmel bildet, ist es sehr wichtig, dass das Kastanien-Granulat wirklich staubtrocken ist. So kann man es lange in einem Gefäß aufbewahren und hat es immer parat.

Resultat

Meine Wäsche ist sauber geworden und riecht neutral und sehr frisch. Sehr verschmutzte Wäsche behandle ich vorher zusätzlich mit etwas Wäscheseife. Man kann auch Waschsoda dazugeben. Wenn ihr noch Fragen habt, kann ich euch das ausführliche FAQ zum Thema Kastanienwaschmittel von Shia auf Wasteland Rebel ans Herz legen.

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  1. Ich trockne das Granulat auf einem Wäschetrockner-Gestell, auf das ich zwei Küchenhandtücher gelegt habe, und darauf die zerkleinerten Kastanien (mit meinem Hochleistungs-Smoothie-Mixer mit Nuss-Programm geschreddert). So kommt Luft von allen Seiten ran.
    Viel Spaß euch, LG Judith

    • Kim-Alexandra Nagy sagt:

      Hallo Judith,

      vielen Dank für deinen Tipp. Welchen Mixer nutzt du dafür? Meiner ist zwar für Smoothies gut, bei Kastanien kommt aber Mehl raus oder er geht kaputt :/

      Liebe Grüße
      Kim

  2. Vielen Dank für diesen tollen Artikel liebe Kim! Jetzt weiss ich endlich, wie ich auf natürliche Weise einen guten Waschmittelersatz finden kann, denn danach habe ich lange gesucht. Ich finde deinen Blog toll und freue mich schon auf deine nächsten Veröffentlichungen!

    LG,
    Isabell